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Texte verbessern für die Website: Ein Guide für Coaches und Therapeuten

Texte verbessern für die Website: Ein Guide für Coaches und Therapeuten

Am Küchentisch, zwischen verklebten Bauklötzen und einem längst kalt gewordenen Kaffee, starrte ich am 15. Januar 2026 auf den Entwurf einer Therapeutin. Es war einer dieser Texte, die so hölzern klingen, dass ich beim Lesen fast Staub husten musste. Kennst du das? Du willst eigentlich helfen, Menschen heilen oder sie durch eine Krise begleiten, aber dein 'Über-mich'-Text liest sich wie die Gebrauchsanweisung für einen Staubsauger.

Das Problem bei Coaches und Therapeuten ist oft das gleiche: Sie haben Angst, nicht professionell genug zu wirken. Also flüchten sie sich in den Nominalstil und das Passiv. Das schafft Distanz. Aber genau diese Distanz ist der Killer für jede Buchungsanfrage. Als Freelancerin, die eigentlich Kunstgeschichte studiert hat und 2018 eher zufällig ins Copywriting stolperte, kenne ich diese Unsicherheit nur zu gut. Mein eigener wunder Punkt ist die deutsche Grammatik – ich habe jahrelang gefühlt jeden zweiten Satz auf Duden.de gegengecheckt, aus Angst, mich vor meinen Kunden zu blamieren.

Der Klassiker: Wenn Experten wie Behörden klingen

Die Rohfassung meines Kundenmanuskripts im Januar hatte stolze 1200 Wörter. Es war alles drin: die Ausbildung, die Methoden, die Philosophie. Aber es war 'tot'. Wenn ich solche Texte lese, bekomme ich dieses flaue Gefühl im Magen. Es ist die Erkenntnis, dass der Inhalt zwar brillant ist, aber die Verpackung die Leute eher abschreckt. Ein 'empathischer' Entwurf, der in Wahrheit das Sprachniveau einer Promotionsordnung hat – das ist die Realität in vielen Coaching-Nischen.

Ich wusste, ich musste hier radikal ran, aber ich wollte nicht nur nach Bauchgefühl entscheiden. Seit ich 2024 diesen peinlichen Konjunktiv-II-Fehler auf einer Sales Page hatte, verlasse ich mich lieber auf Daten statt nur auf meine Intuition. Also habe ich den Text am 12. Februar 2026 in Lexosophie geworfen. Das Tool ist gnadenlos. Es hat mir sofort angezeigt, dass der Lexosophie-Verständlichkeitsindex bei mageren 48 lag. Auf einer Skala von 0 bis 100 ist das quasi 'Akademiker-Kauderwelsch'.

Was mich aber wirklich umgehauen hat: Das Tool identifizierte 24 Passivkonstruktionen auf der Startseite. 24 Mal wurde etwas 'getan', statt dass die Therapeutin oder der Klient 'handelte'. Das erstickt jede Empathie, bevor der Leser überhaupt den ersten Termin bucht. Es ist, als würde man versuchen, eine Umarmung durch eine Plexiglasscheibe zu geben.

Die Falle der zu starken Vereinfachung

Hier kommt ein Punkt, über den wir unter Textern viel zu selten sprechen. Es gibt diese gängige Empfehlung: 'Schreib so einfach wie möglich! Schreib für ein Kind!' Aber ganz ehrlich? Das halte ich für gefährlich, besonders für Coaches und Therapeuten. In meinem Schreibtools für Texter Vergleich 2024 habe ich schon angedeutet, dass Tools uns nicht das Denken abnehmen dürfen.

Wenn wir alles auf Vorschulniveau herunterbrechen, untergraben wir systematisch die fachliche Autorität. Wer will schon zu einem Therapeuten, der klingt, als hätte er seine Texte mit bunten Knete-Buchstaben gelegt? Die Kunst ist die Balance. Wir brauchen Klarheit, aber wir dürfen die Tiefe nicht opfern. Ein zu niedriges Sprachniveau wirkt im hochpreisigen Coaching-Markt oft unseriös oder wenig vertrauenswürdig. Die Leute suchen jemanden, der klüger ist als sie selbst (oder zumindest in diesem Fachbereich), nicht jemanden, der nur in Hauptsätzen spricht.

Wie wir den Text von 1200 auf 840 Wörter gestrafft haben

Der Wendepunkt war die gezielte Analyse. Das leise Klicken der Tastatur, während mein Kleinkind im Nebenzimmer endlich mal für eine Stunde schlief, und die Analyse-Ergebnisse von Lexosophie in hellem Blau auf meinem Bildschirm aufleuchteten – das war der Moment, in dem die Arbeit richtig losging. Ich habe nicht einfach alles gelöscht, was kompliziert war. Ich habe den Ballast entfernt.

Am Ende blieben 840 Wörter übrig. Wir hatten die Wortanzahl um etwa 30 % reduziert, aber die Aussagekraft verdoppelt. Der Lexosophie-Verständlichkeitsindex kletterte von 48 auf 72. Das ist der 'Sweet Spot' für Coaches: gut lesbar, publikumsorientiert, aber immer noch mit dem nötigen fachlichen Gewicht. Wer mehr darüber wissen will, wie man solche Tools im Alltag nutzt, findet in meinem Artikel Lexosophie im Test: Nie wieder Angst vor Grammatikfehlern tiefere Einblicke in meine Routine.

Warum Duden allein nicht reicht

Früher dachte ich, wenn keine roten Wellen mehr unter meinen Wörtern sind, ist der Text gut. Aber warum Duden.de allein für professionelles Copywriting nicht reicht, habe ich schmerzhaft gelernt: Korrektheit ist nicht gleich Wirkung. Ein Text kann grammatikalisch perfekt sein und trotzdem keinen einzigen Kunden gewinnen. Gerade bei sensiblen Themen wie Therapie oder Coaching geht es um das Gefühl, verstanden zu werden.

Die Arbeit mit einem Analysetool hat mir gezeigt, dass meine Intuition oft gut ist, aber meine Unsicherheit mich dazu verleitet, mich hinter komplizierten Sätzen zu verstecken. Es ist eine Art Schutzmechanismus: 'Wenn ich schlau klinge, merkt keiner, dass ich Angst habe, nicht gut genug zu sein.' Aber meine Kundin war glücklich, als sie den neuen Entwurf sah. Sie sagte: 'Endlich klinge ich wie ich selbst, nur... aufgeräumter.'

Fazit: Ein besserer Text ist kein Hexenwerk

Am 20. April 2026 haben wir die Seite live gestellt. Es war ein Prozess von 15 Wochen, wenn man das erste Briefing mitzählt. Ein besserer Text ist kein Hexenwerk, sondern das Ergebnis von Klarheit über Ballast. Es geht darum, die 'Expertensprache' so zu schleifen, dass sie eine echte Verbindung zum Klienten herstellt, ohne die Autorität zu verlieren.

Für mich als Freelancerin ist es eine enorme Erleichterung, Tools zu haben, die meine Intuition mit Daten stützen. Wenn du selbst für Coaches schreibst oder deine eigene Website optimierst, achte nicht nur auf die Rechtschreibung. Achte darauf, ob deine Sätze atmen können oder ob sie unter der Last deines Expertentums ersticken. Und falls du dich fragst, ob andere Tools wie die WORTLIGA vielleicht besser für dich passen, schau dir mal meine WORTLIGA Textanalyse Erfahrungen an – da gibt es feine Unterschiede im Workflow.

Jetzt, wo der Text fertig ist, gönne ich mir erst mal einen frischen Kaffee. Der vom Vormittag ist inzwischen wirklich ungenießbar.

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