
Zwei Wörter lösche ich, tippe sie zwei Sekunden später fast genauso wieder hin und merke erst dabei, dass nicht das Wort das Problem war, sondern der Zweifel dahinter. Der Post soll heute Abend raus, kurz, mit einer Zeile, die hängen bleibt, wie es sich für ordentliches Social-Media-Marketing gehört. Zweimal lese ich den Entwurf durch, ohne auch nur einmal zwischendrin nachzuschlagen, ob der Konjunktiv stimmt. Das war nicht immer so. Als Freelance-Copywriterin, die zwischen Rechtschreibprüfung und Textqualität für fremde Marken jongliert, kenne ich den anderen Zustand noch sehr genau: den, in dem jeder zweite Satz zur kleinen Prüfung wird.
Reicht eine normale Rechtschreibprüfung für Social-Media-Texte überhaupt?
Nein, und das liegt nicht an schlechten Programmen. Rechtschreibprüfung prüft Wörter, keine Wirkung. Ein Social-Media-Post lebt von Tempo und von einem Satzbau, der beim Scrollen nicht stolpert, und genau da versagen viele Tools, weil sie nur auf Regelverstöße trainiert sind. Ich hatte mal einen ganzen Text brav durch die Google-Docs-Rechtschreibkorrektur gejagt, jeden roten Unterstrich einzeln behoben, und trotzdem hat sich ein Fehler bis zur Kundin durchgeschmuggelt, weil das Tool das einzelne Wort kennt, aber nicht den Zusammenhang, in dem es steht. Seitdem lese ich jeden kurzen Text zusätzlich laut vor, bevor er rausgeht. Kein Programm hört so genau zu wie das eigene Ohr, wenn ein Satz beim Sprechen holprig klingt.
Der schnellste Reflex bleibt trotzdem Duden.de, noch vor jedem Tool.
Warum ein Fehler auf Instagram anders wiegt als einer im Blogartikel
Bei einem längeren Blogartikel verzeiht ein Leser einen holprigen Nebensatz, wenn der Rest überzeugt. Bei einem Social-Media-Post nicht: Die Caption hat vielleicht acht Zeilen, und schon ein einziger Fehler entwertet das ganze Posting, weil er die einzige Textstelle ist, die überhaupt jemand liest. Genau diese Kürze macht die Textsorte so unversöhnlich mit Fehlern. Deshalb lese ich bei jeder Caption zuerst die letzte Zeile extra, weil genau dort die meisten Blicke hängen bleiben, bevor überhaupt zu Ende gescrollt wird. Wo reine Grammatikprüfung an ihre Grenzen stößt, ist nochmal ein eigenes Thema für sich. Hier reicht der Hinweis, dass bei Social Media andere Grenzen gelten als bei einem Sachtext für die Website. Auch diese leise Konjunktiv II-Angst, die manche Kolleginnen fast lähmt, gehört in ein eigenes Kapitel; hier nur so viel: Ein falscher Konjunktiv in einer Caption fällt anders auf als in einem langen Absatz, einfach weil daneben kein Kontext steht, der ihn abfedert.

Kann ein Korrekturprogramm auch den richtigen Ton für eine Kundin treffen?
Verlässlich ist das nicht. Meine Stammkundin Margit, Life-Coach aus München, hat mir früh beigebracht: In ihrer Branche schreibt niemand über Probleme, sondern über Herausforderungen. Das ist keine Grammatikfrage, sondern eine Wortwahl, die kein Tool von allein kennt, weil sie an die Kundin gebunden ist und nicht an die Sprache selbst. Deshalb führe ich für Stammkundinnen eine kurze Liste mit Wörtern, die gehen, und Wörtern, die nie gehen, und prüfe jeden Post zusätzlich gegen diese Liste, bevor die Rechtschreibprüfung überhaupt drankommt. Register spielt da mit rein: Manche Kundinnen wollen eher locker und nah dran klingen, andere eher akademisch (jedenfalls wenn man sich an den Stufen des Gemeinsamer europäischen Referenzrahmens für Sprachen orientiert), und auch das erkennt bislang kein Tool zuverlässig, das ich kenne.
Mehr Funktionen bedeuten nicht automatisch bessere Texte
Meine befreundete Texterin Bettina, die als UX-Texterin arbeitet, testet jedes neue Schreibtool, kaum dass es angekündigt ist, und kehrt am Ende fast immer zu ihrer alten Version zurück. Ihr Punkt, den ich mir gemerkt habe: Es zählt nicht die Zahl der Funktionen, sondern ob eine Änderung den Text wirklich verständlicher macht oder ihn nur anders aussehen lässt. Bevor ich ein neues Tool ernst nehme, teste ich es deshalb an einem echten Kundentext, nicht an einem Beispielsatz aus der Werbung dafür. Nur so sehe ich, ob es meinen Ton trifft oder ihn plättet. Den Lesbarkeits-Wert schaue ich mir dabei genauer an als die reine Fehlerzahl, und ob der Sinn beim Lesen ankommt, ist ohnehin eine andere Frage als bloße Fehlerfreiheit. Wenn mir das alles zu viel wird, drehe ich eine kurze Runde durch den Rheinpark, bevor ich mich nochmal an die Arbeit setze; meistens fällt mir dort die Lösung ein, nicht vor dem Bildschirm.

Lohnt sich ein spezialisiertes Korrekturtool, wenn sowieso kaum Zeit bleibt?
Kommt drauf an, wie oft du postest. Wer einmal im Monat für eine Kundin einen Social-Media-Kalender schreibt, kommt vermutlich auch mit Bordmitteln durch. Wer wie ich mehrmals pro Woche für unterschiedliche Marken zwischen Ton, Tempo und Tippfehlern jongliert, merkt den Unterschied schneller, als sich das Investment zunächst anfühlt. Um ein Rechenexempel mit Preisen geht es dabei ohnehin nicht (das würde ich hier gar nicht seriös beziffern können), sondern um die Frage, wie viel Sicherheit ein Tool im Alltag zurückgibt. Auch bei Verkaufstexten macht sich das bemerkbar: Klarheit entscheidet über die Wirkung oft mehr als Stil, und im Vergleich der Schreibtools für Texter für 2026 gehe ich an anderer Stelle genauer darauf ein, welches Tool sich für wen lohnt. Wie ich grundsätzlich an die Grammatik korrigieren herangehe, wenn der Vormittag schon von Unterbrechungen zerschossen ist, habe ich dort ebenfalls notiert. Kinder und Kundentermine fragen schließlich nie, ob gerade Zeit für einen sauberen Nebensatz ist.
Was am Ende hängen bleibt
Perfektion und Wirkung sind nicht dasselbe. Genau darum dreht sich am Ende die Frage nach dem richtigen Korrekturprogramm. Ein Programm markiert zuverlässig, was formal falsch ist; ob ein bewusst kurzer Satz oder ein umgangssprachliches 'weil' mit Hauptsatz gerade die Interaktionsrate rettet, muss ich selbst entscheiden. Deshalb fixiere ich bei jedem Post zuerst die kritischen Fehler und ignoriere danach bewusst die Stil-Vorschläge, die die Stimme der Kundin (oder meine eigene) glattbügeln würden. Genau diese Reihenfolge, kritisch vor kosmetisch, ist der eine Handgriff, den ich jeder Kollegin mitgeben würde, die zwischen Rechtschreibprüfung und eigenem Bauchgefühl hin- und hergerissen ist.