
Es ist weit nach Mitternacht an meinem Küchentisch – der einzige Ort in meiner Kölner Wohnung, der nachts halbwegs nach Büro aussieht. Das Kleinkind schläft endlich, und ich starre auf den Entwurf für eine Yoga-Lehrerin aus dem Schwarzwald. In einem einzigen Absatz habe ich das Wort 'entspannen' sechsmal benutzt. Sechsmal. Ich fahre mir durch die Haare und merke, wie sich meine Selbstzweifel wieder melden. Eigentlich sollte ich das doch können, oder? Ich schreibe seit 2018 für Geld, aber in Momenten wie diesen fühle ich mich wieder wie die Kunstgeschichte-Studentin, die keine Ahnung von Textrhythmus hat.
Warum uns Wortwiederholungen (fast) den Verstand rauben
Wortwiederholungen sind wie Schluckauf im Lesefluss. Sie fallen dir beim Schreiben oft gar nicht auf, weil dein Gehirn im 'Informations-Modus' ist. Du willst die Message rüberbringen, und 'entspannen' ist nun mal das, was man beim Yoga macht. Aber für den Leser klingt es irgendwann wie eine kaputte Schallplatte. Seit ich Anfang 2024 diese peinliche Sache mit dem Konjunktiv II auf einer Sales Page hatte – ein Kunde musste mich darauf hinweisen, und ich bin drei Tage lang in ein emotionales Loch gefallen –, bin ich extrem vorsichtig geworden. Mein meistbesuchter Tab im Browser ist seitdem Duden.de. Wusstest du, dass der moderne Duden-Korpus über 18 Millionen Wörter umfasst? Und trotzdem hänge ich bei denselben fünf Begriffen fest.
Ich habe lange versucht, das Problem manuell zu lösen. Ich habe laut gelesen, Texte rückwärts korrigiert und verzweifelt nach Synonymen gesucht. Aber wenn man unter Deadline-Druck steht und das Kind im Nebenzimmer gerade beschlossen hat, dass Schlafen überbewertet wird, übersieht man die einfachsten Dinge. Ende März, kurz vor den Osterferien, habe ich dann angefangen, systematisch Tools einzusetzen, die mir diese Arbeit abnehmen. Nicht, weil ich faul bin, sondern weil ich endlich aufhören wollte, jedes Mal Angstschweiß zu bekommen, wenn ich auf 'Senden' klicke.

Der Moment der Wahrheit: Wortliga und die 10 Kriterien
Mein wichtigster Helfer in den letzten fünf Monaten war die Wortliga Textanalyse. Ich erinnere mich noch an einen regnerischen Dienstag im Mai, als ich einen Text für einen Therapeuten prüfte. Ich dachte, der Text sei schon ziemlich gut. Dann habe ich ihn in das Tool kopiert. Das Interface leuchtete sofort in verschiedenen Farben auf. Wortliga bewertet Texte nämlich nach 10 spezifischen linguistischen Qualitätsmerkmalen – dazu gehören Passivkonstruktionen, Füllwörter und eben auch Wortwiederholungen. Das Tool nutzt unter anderem die Flesch-Reading-Ease-Skala, die auf einer Skala von 0 bis 100 die Lesbarkeit bestimmt. Mein Text lag irgendwo bei 40. Autsch.
Da war es wieder: Dieses scharfe, kalte Prickeln im Nacken, wenn ich das Highlight für eine Wortwiederholung sehe, bei einem Wort, das ich eigentlich für besonders clever hielt. Der kalte Ring meiner vergessenen Kaffeetasse auf einem Stapel alter Kunstgeschichtsbücher starrte mich an, während der Bildschirm rot vor Fehlern leuchtete. Aber genau das ist der Punkt: Die Tools zeigen dir deine blinden Flecken. Besonders das 'Man', 'Auch' und 'Dann' – meine persönlichen Endgegner – werden gnadenlos markiert.
Früher habe ich oft gedacht, dass ich einfach nur mehr Vokabeln brauche, aber eigentlich ging es darum, alte Texte neu zu bewerten – so wie ich es in meinem Artikel über Beste Tools um alte Blogartikel zu optimieren und Textqualität zu steigern beschrieben habe. Es geht nicht nur um das Ersetzen von Wörtern, sondern oft um den kompletten Satzbau.
Warum Synonym-Hopping gefährlich sein kann
Hier kommt meine persönliche 'Inner Truth', die ich auf die harte Tour gelernt habe: Die Jagd nach Synonymen durch Schreibtools verschlechtert oft die Lesbarkeit, da präzise Fachbegriffe und Schlüsselwörter durch unnötig komplexe oder unnatürliche Ersatzwörter verwässert werden. Wenn ich für einen Online-Shop schreibe, der 'nachhaltige Seifen' verkauft, dann ist 'ökologisch vertretbare Reinigungslaugen' kein guter Ersatz für eine Wortwiederholung. Es klingt gestelzt, fast schon akademisch – genau das, was ich seit meinem Studium eigentlich ablegen wollte.
Gute Tools wie Wortliga helfen dir nicht nur, ein anderes Wort zu finden. Sie zwingen dich zum präziseren Denken. Wenn das Tool eine Wiederholung markiert, frage ich mich heute: Brauche ich diesen Satz überhaupt? Oder kann ich zwei Sätze zu einem starken Statement verbinden? Oft ist der Nominalstil das eigentliche Problem hinter den Wiederholungen. Wir blähen Sätze auf, anstatt klare Verben zu benutzen. Das Hamburger Verständlichkeitsmodell nennt hier vier Säulen: Einfachheit, Gliederung-Ordnung, Kürze-Prägnanz und zusätzliche Stimulanz. Wortwiederholungen killen vor allem die Prägnanz und die Stimulanz.
Für meine Kunden, die manchmal etwas förmlichere Texte brauchen, nutze ich oft ähnliche Ansätze, etwa wenn ich Beste Schreibtools für professionelle Pressemitteilungen und PR-Texte einsetze, um sicherzustellen, dass die Kernbotschaft nicht in einem Meer aus 'auch' und 'zudem' ertrinkt.
Workflow-Tipps zwischen Windeln und Webtexten
Wie sieht das nun praktisch aus, wenn man wie ich am Küchentisch zwischen Krümeln und Duplo-Steinen arbeitet? Seit Mitte Juli habe ich eine Routine entwickelt, die meinen Stresspegel massiv gesenkt hat:
- Der Rohwurf ist heilig: Ich schreibe den ersten Entwurf komplett ohne Tools. Wenn ich 'entspannen' zehnmal schreibe, dann ist das so. Der Schreibfluss ist wichtiger als die Korrektur.
- Die 24-Stunden-Regel: Wenn es die Deadline erlaubt, lasse ich den Text liegen. Der Blick ist am nächsten Morgen viel schärfer.
- Der Tool-Check: Erst dann kopiere ich den Text in die Analyse. Ich arbeite die Wiederholungen von oben nach unten ab. Aber Achtung: Ich akzeptiere nicht jeden Vorschlag. Wenn ein Fachbegriff wichtig für die SEO ist, bleibt er stehen, auch wenn das Tool meckert.
- Laut vorlesen: Trotz aller Technik ist mein eigenes Gehör der letzte Filter. Wenn ich über einen Satz stolpere, stimmt der Rhythmus nicht.
Ich habe gemerkt, dass die Arbeit mit diesen Tools meine eigene Schreibkompetenz verbessert hat. Ich erkenne meine Muster jetzt schon, während ich tippe. Es ist fast so, als hätte man einen sehr geduldigen Mentor neben sich sitzen, der einem sanft auf die Finger klopft, bevor man den Text abschickt. Das Gefühl, eine saubere, knackige Sales Page an eine Kundin zu schicken, ohne dass sich mir der Magen umdreht, ist unbezahlbar. Der Küchentisch ist zwar immer noch voll mit Krümeln, aber meine Texte fühlen sich zum ersten Mal wirklich professionell an.
Am Ende des Tages sind Tools genau das: Werkzeuge. Sie ersetzen nicht dein Gefühl für Storytelling oder deine Empathie für den Leser. Aber sie geben dir die Sicherheit zurück, die man als Autodidakt oder Quereinsteiger oft vermisst. Und wenn ich heute 'entspannen' schreibe, dann nur noch einmal pro Absatz – und ich genieße das Wort dabei viel mehr.