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Passivsätze vermeiden: Beste Tools für lebendige und dynamische Blogartikel

Passivsätze vermeiden mit Schreibtools für lebendige, dynamische Blogartikel – Laptop am Küchentisch

Lars braucht für eine Bildunterschrift zu seinen Fotos keine dreißig Sekunden. Ich sitze bei einem einzigen Satz manchmal zehn Minuten fest, weil irgendwo ein verstecktes „wurde" lauert, das den ganzen Absatz flach macht.

Er ist Fotograf, ich bin Texterin mit einem Faible für Schreibtools, und wir kennen uns noch aus einem Forum für Solo-Selbständige, in dem es eigentlich nur um Buchhaltungssoftware ging. Trotzdem fragt er mich manchmal, warum ich mich bei Bildbeschreibungen so schwertue, wo er seine eigenen doch auch einfach runterschreibt. Die Antwort hat mit meinem Kunstgeschichte-Studium zu tun: Es hat mir ein Schreiben beigebracht, das objektiv und distanziert klingen soll – das Gegenteil von dem, was ein guter Blogartikel für eine Therapeutin oder einen kleinen Online-Shop braucht.

Fast jeder zweite Satz in meinen ersten Entwürfen fängt noch heute mit „Es wurde" oder „Es wird" an, wenn ich nicht aufpasse – klassische Passivsätze, wie sie die deutsche Grammatik locker erlaubt. Blogartikel leben aber von Nähe, und genau solche Sätze bauen eher eine Wand zwischen Text und Leser.

Warum sich das Passiv in Blogartikel schleicht

In der deutschen Grammatik gibt es eigentlich nur zwei primäre Formen des Passivs: das Vorgangspassiv mit „werden" und das Zustandspassiv mit „sein". Klingt übersichtlich. In der Praxis schleichen sich beide Formen genau dann ein, wenn ich mir bei einem Satz unsicher bin oder besonders seriös wirken will. Der Duden, der in seiner aktuellen Auflage rund 148.000 Stichwörter führt und bei mir öfter geöffnet ist als jede andere Seite, erklärt die Regeln zwar präzise – gegen die Passiv-Gewohnheit im Schreibfluss hilft mir das trotzdem wenig.

Ein Beispiel sitzt mir noch im Kopf: ein Blogartikel über Stressbewältigung, geschrieben während einer Hitzewelle, bei der selbst der Laptop-Lüfter ständig lief. Der erste Entwurf ging durch ein Analyse-Tool, und das Ergebnis war ernüchternd – 15 Passivkonstruktionen in Folge, alle rot unterlegt, der ganze Text wirkte wie eine durchkorrigierte Deutscharbeit. Unangenehm, aber genau dieser visuelle Schock hat mir gezeigt, wie tief die Gewohnheit eigentlich sitzt.

Schreibtool markiert Passivsätze rot in einem Blogartikel-Entwurf auf dem Laptop-Bildschirm

Erkennen Schreibtools wirklich jedes Passiv zuverlässig?

Die ehrliche Antwort: nein, nicht jedes – aber genug, um brauchbar zu sein. LanguageTool zum Beispiel hat in der kostenlosen Version ein Limit von 10.000 Zeichen, und das reicht für einen einzelnen Blogartikel fast immer. Solche Tools nehmen mir das Denken nicht ab, aber sie zwingen mich, jede „wurde"-Konstruktion zu hinterfragen. Steht da „Die Therapie wird von mir individuell angepasst", merke ich sofort, dass „Ich passe die Therapie individuell an" kraftvoller klingt.

Wo diese Tools an ihre Grenzen stoßen, ist ein eigenes Thema, über das ich an anderer Stelle ausführlicher schreibe – genauso wie die Frage, nach welchen Kriterien man zwischen den vielen deutschen Schreibtools überhaupt wählt. Hier reicht die Kurzversion: Ein Tool markiert, aber es entscheidet nicht. Ob ein Satz aktiv werden muss, entscheide am Ende immer noch ich.

Bevor ich Tools überhaupt ernst genommen habe, hatte ich es erst mit einem Selbsthilfebuch versucht: tägliche Schreibübungen, nach festem Schema. Am Feedback meiner Kunden hat sich danach nichts Messbares verändert – kein Kommentar wurde freundlicher, keine Rückfrage weniger. Das Sprachgefühl mag sich geschärft haben, aber gezeigt, wo genau in einem Text das Passiv zuschlägt, hat es mir nicht.

Falls dich eher die Überschrift selbst blockiert statt der Fließtext danach: Dazu habe ich einen Artikel über klickstarke Headlines und die besten Tools dafür geschrieben, in dem es ebenfalls um aktive, direkte Sprache geht – nur eben schon ab der ersten Zeile.

Der Unterschied zwischen Fehler und bewusster Wahl beim Passiv

Thomas, einer meiner langjährigsten Kunden mit einem Online-Shop für Outdoor-Ausrüstung, kennt keine grammatischen Fachbegriffe – aber er merkt sofort, wenn ein Satz falsch klingt, auch ohne sagen zu können, warum. Für seine Montageanleitungen schreibe ich trotzdem bewusst Sätze wie „Das Paket wird innerhalb von 24 Stunden versendet." Wer das Paket scannt, ist für den Leser schlicht uninteressant – der Prozess steht im Vordergrund, nicht die handelnde Person.

Genau das ist der Punkt, an dem ich Textarten unterschiedlich behandle: Eine technische Anleitung darf objektiv und distanziert bleiben, weil sie über Klarheit Vertrauen aufbaut. Ein Blogartikel oder eine Über-mich-Seite soll dagegen Nähe herstellen, und da wird jedes „wurde" zur kleinen Bremse. Das Problem ist also nie das Passiv an sich, sondern die falsche Distanz an der falschen Stelle.

Küchentisch-Homeoffice mit Notizbuch, Kaffee und Spielzeugauto beim Überarbeiten von Blogartikeln gegen Passivsätze

Verkaufstexte und Landingpages reagieren empfindlicher auf Passiv

Landingpages und Verkaufstexte verzeihen Passivsätze am wenigsten, weil der Leser in Sekunden entscheidet, ob er dir zutraut, selbst hinter deinem Angebot zu stehen. Als ich letzte Woche eine Landingpage korrigiert habe, ist mir mitten im Nutzenversprechen ein „wurde" aufgefallen, das mir früher glatt durchgerutscht wäre – es hat das ganze Versprechen weich gemacht, obwohl der Rest des Satzes stark war.

Die WORTLIGA Textanalyse im Test für anspruchsvolles Content Marketing hat mir dabei am meisten gebracht – nicht nur, weil sie Passivkonstruktionen markiert, sondern weil sie gleichzeitig vor zu langen Sätzen und Nominalstil warnt. Das Gefühl für Lesbarkeit und Textverständlichkeit, das so ein Tool trainiert, wäre nochmal ein eigenes Thema für sich; als Faustregel reicht mir hier: Jeder Satz, der eine Entscheidung auslösen soll, braucht ein klares Subjekt, das handelt.

Profitieren auch Google-Ads-Texte und andere Kurztexte vom Passiv-Check?

Bei Kurztexten mit festem Zeichenlimit ist Passiv sogar doppelt teuer: Es kostet Zeichen, ohne zusätzliche Bedeutung zu liefern. „Der Rabatt wird dir gewährt" braucht mehr Platz als „Du bekommst den Rabatt" – und bei einem harten Zeichenlimit entscheidet jedes gesparte Zeichen mit, ob der Text überhaupt passt. Mein Testkriterium dort: Streiche zuerst das Passiv, bevor du an Adjektiven sparst.

Was am Küchentisch sonst noch auf meiner Liste steht

Neben dem Passiv tauchen bei Kundentexten ständig Nachbarthemen auf, die eigene Artikel verdienen und hier nur kurz Platz bekommen sollen: wie viel Datenschutz bei Kundentexten überhaupt mitspielt, wie inklusive Sprache gelingt, ohne holprig zu wirken, wie man Wortwiederholungen aus einem Text herausbekommt, ob sich eine Überarbeitung alter Blogartikel überhaupt lohnt, wie eine Markenstimme über Dutzende Texte konsistent bleibt, wie es um Kommaregeln und Zeichensetzung steht, wie streng ein Styleguide am Ende durchgesetzt wird, und ob sich ein Schreibkurs gegenüber einem reinen Tool-Abo überhaupt lohnt. Auch die Angst vor dem Konjunktiv II gehört in diese Reihe – ein Gefühl, das vielen Kolleginnen vertraut ist und das ein eigenes Kapitel verdient.

Nach acht Jahren als Texterin – mit einem Kleinkind, das zuverlässig mitten im besten Satz hereinplatzt und meine Schreibroutine regelmäßig durcheinanderwirft – bleibt mein Fazit nüchtern: Kein Tool schreibt für dich, und kein Kurs ersetzt das Gespür für die Zielgruppe. Wenn ich zwischendurch mit dem Kinderwagen eine Runde am Niehler Strand drehe, sortieren sich zähe Sätze im Kopf oft von selbst, noch bevor ich wieder am Küchentisch sitze. Am Bildschirm helfen trotzdem beide, Tool wie Kurs, die handwerklichen Fehler zu minimieren, die früher nächtelang in meinem Kopf nachgehallt sind. Wenn der Nachmittag so tief steht, dass die Sonne quer über die Tastatur blendet und sich ein Text zäh anfühlt, suche ich zuerst nach dem versteckten „wurde" – das ist inzwischen der schnellste Hebel, den ich kenne.

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