
Ich saß an einem späten Vormittag am Küchentisch, der Kaffee war längst kalt und das leise Kratzen eines Holzspielzeugs auf dem Boden begleitete meine Schreibblockade. Vor mir auf dem Monitor flimmerte die 'Über mich'-Seite einer neuen Kundin, aber der Text fühlte sich so trocken an wie ein juristischer Schriftsatz. Fast jeder zweite Satz fing mit „Es wurde…“ oder „Es wird…“ an – ein klassischer Fall von Passiv-Überdosis, der jegliche Dynamik im Keim erstickte.
Vielleicht liegt es an meinem Studium der Kunstgeschichte. Da haben wir jahrelang gelernt, so zu schreiben: objektiv, distanziert, fast schon unsichtbar. „Das Gemälde wurde im Jahr 1842 fertiggestellt.“ In der Welt des Copywritings für Coaches und kleine Online-Shops ist dieser Stil allerdings pures Gift. Wenn ich für eine Therapeutin schreibe, will ich, dass der Leser eine Verbindung spürt. Passivsätze bauen jedoch eine Mauer auf. Sie verstecken, wer eigentlich handelt. Seit ich 2018 mein Business gestartet habe, kämpfe ich gegen diesen inneren Akademiker, der mir ständig „wurde“, „werden“ und „worden“ in die Tasten diktiert.
Warum uns das Passiv so oft in die Falle lockt
In der deutschen Grammatik gibt es eigentlich nur zwei primäre Formen des Passivs: das Vorgangspassiv (mit „werden“) und das Zustandspassiv (mit „sein“). Klingt überschaubar, oder? Aber in der Praxis schleichen sie sich überall ein. Wir nutzen sie oft, wenn wir uns unsicher fühlen oder besonders seriös klingen wollen. Der Duden, der mit seinen rund 148.000 Stichwörtern in der aktuellen Auflage mein wichtigster Begleiter ist, erklärt die Regeln zwar präzise, hilft mir im Schreibfluss aber wenig gegen die Passiv-Gewohnheit.
Letztes Jahr im späten März fing ich an, systematisch nach Wegen zu suchen, mein Schreiben lebendiger zu machen. Ein Kunde hatte mich zuvor dezent auf einen Fehler im Konjunktiv II hingewiesen, was mich erst mal drei Tage lang in eine mittelschwere Sinnkrise gestürzt hat. Mein Ziel war klar: Ich wollte Tools finden, die mir nicht nur sagen, dass mein Text grammatikalisch korrekt ist, sondern die mir aktiv dabei helfen, das „Wer macht was?“-Prinzip durchzuhalten.

Meine Tool-Tests: Zwischen roter Tinte und Aha-Momenten
Ich habe angefangen, verschiedene deutsche Style-Checker auszuprobieren. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir ein Tag während einer Hitzewelle Mitte Juli. Ich arbeitete an einem langen Blogartikel über Stressbewältigung. Als ich den ersten Entwurf durch ein Analyse-Tool laufen ließ, passierte es: Ein scharfer Atemzug entwich mir, als das Tool plötzlich 15 Passivsätze hintereinander rot markierte. Mein Entwurf sah aus wie eine korrigierte Klassenarbeit aus der neunten Klasse. Es war beschämend, aber genau dieser visuelle Schock war nötig.
Einige Tools bieten eine kostenlose Basisversion an, wie etwa LanguageTool, das in der freien Variante ein Limit von 10.000 Zeichen hat. Das reicht für die meisten Blogartikel locker aus. Was ich dabei gelernt habe: Diese Tools sind wie ein Sparringspartner. Sie nehmen mir das Denken nicht ab, aber sie zwingen mich, jede „wurde“-Konstruktion zu hinterfragen. Wenn da steht: „Die Therapie wird von mir individuell angepasst“, merke ich sofort: „Ich passe die Therapie individuell an“ klingt viel kraftvoller.
Falls du oft Probleme hast, den richtigen Ton für deine Überschriften zu finden, schau dir mal meinen Artikel über klickstarke Headlines und die besten Tools dafür an. Dort gehe ich darauf ein, wie man schon in der Headline aktiv und direkt kommuniziert.
Wann Passivsätze eigentlich doch ganz okay sind
Hier kommt mein kleiner „Hot Take“, den ich erst nach Monaten des Testens entwickelt habe: Passivsätze sind nicht immer der Teufel. Es gibt Momente, in denen sie sogar notwendig sind. Wenn ich zum Beispiel für einen kleinen Online-Shop eine technische Anleitung schreibe, ist es oft völlig egal, *wer* das Paket scannt. Da steht der Prozess im Vordergrund: „Das Paket wird innerhalb von 24 Stunden versendet.“ Das wirkt objektiv und professionell.
In technischen Kontexten ist das Passiv kein Stilfehler, sondern ein Werkzeug zur Objektivierung. Der Fokus liegt auf dem Objekt, nicht auf der handelnden Person. Das Problem entsteht erst, wenn wir diese Distanz in Texte übertragen, die eigentlich Nähe aufbauen sollen – wie eben Blogartikel oder Newsletter. In meinem Alltag als Freelancer nutze ich Tools heute viel gezielter. Ich lasse sie über meine Texte laufen, um die „Passiv-Nester“ zu finden, entscheide dann aber ganz bewusst, wo ich sie stehen lasse und wo ich sie aufbreche.

Workflow-Optimierung am Küchentisch
Seit einem regnerischen Morgen letzte Woche ist mein Workflow so stabil wie nie zuvor. Ich schreibe den ersten Entwurf meistens komplett ohne Tools, einfach um in den Flow zu kommen (soweit das mit einem Kleinkind im Hintergrund geht). Erst im zweiten Schritt, wenn die Struktur steht, kommen die Style-Checker zum Einsatz. Ich habe festgestellt, dass mir die WORTLIGA Textanalyse im Test für anspruchsvolles Content Marketing extrem dabei geholfen hat, ein Gefühl für die sogenannte Leseleichtigkeit zu entwickeln.
Das Tool zeigt mir nicht nur Passivkonstruktionen an, sondern warnt mich auch vor zu langen Sätzen und Nominalstil. Es ist fast so, als würde mir ständig jemand über die Schulter schauen und flüstern: „Komm schon, wer macht hier eigentlich was?“. Das hat mein Selbstvertrauen gestärkt. Ich habe keine Angst mehr vor dem Duden oder vor Kunden-Feedback, weil ich weiß, dass ich meine Texte selbst kritisch prüfen kann, bevor sie rausgehen.
Am Ende ist ein Tool eben nur ein Werkzeug. Es ersetzt nicht das Gespür für Storytelling oder die Empathie für die Zielgruppe. Aber es hilft mir dabei, die handwerklichen Fehler zu minimieren, die mich früher nächtelang wachgehalten haben. Wenn du also das nächste Mal vor einem Text sitzt, der sich irgendwie „zäh“ anfühlt, such nach den versteckten Hilfsverben. Dein Schreibstil wird es dir danken – und deine Leser auch.