
Es ist spät an einem Dienstagabend Mitte November letzten Jahres. Ich sitze an meinem Küchentisch – der technisch gesehen mein Homeoffice ist, wenn man die Playmobil-Figuren und die eingetrockneten Joghurtflecken ignoriert. Vor mir steht der lauwarme Rest meiner dritten Tasse Kaffee, vergessen neben einem Stapel bunter Kleinkind-Zeichnungen, während ich auf den Monitor starre. Ein Kunde hat mir gerade Feedback zu einem Entwurf geschickt: „Irgendwie wirkt dieser Absatz sperrig.“
Ich kenne dieses Gefühl. Es ist dieses dumpfe Ziehen im Hinterkopf, wenn man weiß, dass ein Satz nicht fließt, aber man den Fehler nicht greifen kann. Ich ertappe mich dabei, wie ich eine Konjunktiv II-Konstruktion anstarre, die sich anfühlt wie eine rhetorische Stolperfalle. Früher hätte ich jetzt angefangen, den Satz fünfmal umzuschreiben, nur um am Ende frustriert aufzugeben. Doch diesmal schiebe ich den Text in die Wortliga-Analyse und warte darauf, dass die Markierungen mir den Weg weisen.
Warum das Bauchgefühl beim Texten oft trügt
Mein Problem war jahrelang nicht der Mangel an Kreativität. Ich habe Kunstgeschichte studiert – ich kann stundenlang über die Semantik von Pinselstrichen dozieren. Aber genau da lag der Hund begraben: Mein akademischer Hintergrund hat mich darauf getrimmt, Sätze so komplex wie möglich zu bauen. Als ich 2018 eher zufällig ins Copywriting rutschte, dachte ich, „gut schreiben“ hieße „schlau klingen“. Spoiler: Im Marketing ist das Gegenteil der Fall.
Ich erinnere mich noch lebhaft an das Desaster mit einer Sales Page im Jahr 2024. Ein Kunde wies mich auf einen peinlichen Fehler im Konjunktiv II hin, und ich bin drei Tage lang in eine Spirale aus Selbstzweifeln verfallen. „Bin ich überhaupt eine echte Texterin, wenn ich ständig bei Duden.de nachschlagen muss?“, fragte ich mich. Die Wahrheit ist: Kunden in der DACH-Region zahlen nicht für meine künstlerische Vision, sondern für Texte, die funktionieren, konvertieren und vor allem – die man versteht.

Das Hamburger Verständlichkeitsmodell als Rettungsanker
Anfang des Jahres, im zeitigen Frühjahr, bekam ich den Auftrag für die Website einer Therapeutin. Ein sensibles Projekt, bei dem jedes Wort sitzen musste. Hier konnte ich mir keine „sperrigen“ Absätze erlauben. Ich begann, Wortliga fest in meinen Workflow zu integrieren. Was mich sofort faszinierte, war die wissenschaftliche Basis dahinter: das Hamburger Verständlichkeitsmodell.
Dieses Modell basiert auf 4 Dimensionen: Einfachheit, Gliederung/Ordnung, Kürze/Prägnanz und zusätzliche Stimulanz. Anstatt mir nur zu sagen „das ist schlecht“, zeigt mir das Tool objektiv, wo ich gegen diese Prinzipien verstoße. Wenn ich einen Text analysiere, sehe ich sofort meine persönlichen „Texter-Sünden“: die Sucht nach Passivkonstruktionen und diesen furchtbaren Nominalstil, der jeden Lesefluss im Keim erstickt.
Ich sitze dann da und beobachte, wie die Highlights von Rot auf Grün springen, während ich meine Sätze entfette. Es hat fast etwas Meditatives. Während mein Kleinkind im Nebenzimmer (hoffentlich) schläft, seziere ich meine eigenen Gedanken. „Klingt das hier nach einer professionellen Copywriterin oder nach einer Magisterarbeit in Kunstgeschichte?“, frage ich mich oft selbst, während ich ein fünf-silbiges Wort durch ein knackiges Verb ersetze.
Die Sache mit der Lesbarkeit: Flesch und die 20-Wörter-Regel
Ein wichtiger Anker in meiner täglichen Arbeit ist der Flesch-Reading-Ease. Die Skala geht bis zu einem Maximum von 100 – je höher der Wert, desto leichter ist der Text zu konsumieren. Früher dachte ich, ein hoher Flesch-Wert sei „Cheating“ oder würde meine Texte dumm wirken lassen. Heute weiß ich: Es ist ein Service am Kunden. Wer hat schon Zeit, sich durch 40-Wort-Schachtelsätze zu quälen?
Wortliga flaggt Sätze gnadenlos ab, die die empfohlene Länge von 20 Wörtern überschreiten. Das war anfangs hart für mein Ego. Aber als ich sah, wie viel klarer meine Botschaften wurden, gab es kein Zurück mehr. Diese Konsistenz ist es, was Kunden bindet. Wenn ich für einen Online-Shop schreibe, muss die Tonalität im Blog genauso sitzen wie in den Newsletter-Texten. Tools helfen mir dabei, diesen Standard zu halten, egal wie stressig der Alltag gerade ist.
Übrigens, wenn du gerade dabei bist, für einen Kunden nicht nur die Texte, sondern das ganze visuelle und sprachliche Gerüst aufzubauen, ist es oft sinnvoll, diese Regeln festzuschreiben. Ich habe vor einer Weile darüber geschrieben, wie man Schreibtools für die Erstellung von Styleguides nutzt, um genau diese Konsistenz über das gesamte Projekt hinweg zu retten.

Die Gefahr der KI-Gleichförmigkeit
Jetzt kommt der Punkt, an dem ich vielleicht ein bisschen anecke: Ich bin kein Fan davon, Texte komplett von einer KI schreiben zu lassen. Ja, Tools wie ChatGPT sind super für das Brainstorming oder um eine Headline-Idee zu variieren. Aber KI-Korrekturtools erzeugen oft eine gefährliche sprachliche Gleichförmigkeit. Sie bügeln alles glatt, bis die individuelle Tonalität einer Marke komplett auslöscht wird. Am Ende klingen alle Kundenprojekte austauschbar.
Wortliga ist für mich deshalb so wertvoll, weil es mich nicht ersetzt, sondern mich korrigiert. Es lässt meine Stimme stehen, weist mich aber darauf hin, wenn ich vor lauter Betriebsblindheit wieder in alte Muster verfalle. Es ist wie ein Mentor, der hinter mir steht und sagt: „Schöner Gedanke, aber sag es einfacher.“ Das ist besonders wichtig, wenn man für verschiedene Nischen schreibt – vom Coach bis zum Therapeuten. Jeder braucht eine eigene Stimme, aber jeder braucht Klarheit.
Ein Beispiel aus der Praxis: Für ein Projekt im Bereich Coaching neigte ich dazu, extrem „fluffig“ zu schreiben. Viel Storytelling, wenig Substanz. Das Tool hat mich durch die Analyse der „Phrasen“ und „Füllwörter“ direkt darauf hingewiesen. Das Ergebnis war ein Text, der immer noch emotional war, aber nicht mehr in Beliebigkeit abdriftete. Manchmal hilft es auch, sich mit Themen wie inklusiver Sprache und richtigem Gendern auseinanderzusetzen, um die Texte moderner und zielgruppengerechter zu gestalten, ohne den Lesefluss zu stören.
Vom Raten zum Wissen: Mein Workflow heute
Nach etwa sechs Monaten intensiver Nutzung hat sich mein Schreibprozess komplett verändert. Früher war der Klick auf den „Senden“-Button immer ein bisschen wie Glücksspiel. Wird der Kunde es mögen? Habe ich wieder irgendwo einen Konjunktiv-Fehler eingebaut, der mich drei Tage lang verfolgt?
Heute fühlt sich das Ganze viel professioneller an. Mein Workflow sieht meistens so aus:
- Briefing & Entwurf: Ich schreibe den ersten Draft ganz intuitiv, oft während das Mittagessen auf dem Herd steht.
- Die erste Reinigung: Ich lasse das Tool über den Text laufen. Ich schaue mir die Satzlängen an und eliminiere die schlimmsten Nominalstilmuster.
- Der Feinschliff: Ich prüfe die 4 Dimensionen des Hamburger Modells. Ist der Text anregend genug? Ist die Gliederung logisch?
- Duden-Check: Ja, ich besuche die Seite immer noch. Aber jetzt meistens nur noch für die wirklich kniffligen Zweifelsfälle.

Fazit: Konsistenz ist ein Prozess, kein Zufall
Jetzt, Ende August, blicke ich auf die letzten zehn Monate zurück. Mein Küchentisch ist immer noch oft unordentlich und mein Kind unterbricht mich immer noch in jeder Deep-Writing-Session (meistens, wenn ich gerade an einer besonders klickstarken Headline arbeite). Aber der Stresspegel ist gesunken. Ich weiß jetzt, dass gute Texte kein magisches Talent sind, das man entweder hat oder nicht. Es ist ein Handwerk, das man mit den richtigen Werkzeugen verfeinern kann.
Die Investition in ein professionelles Tool war für mich der Wendepunkt vom „Ich probiere das mal als Freelancer“ hin zu „Ich liefere messbare Qualität“. Wenn die Revisionsrunden von drei auf fast null sinken, weil die Logik hinter meinen Korrekturen objektiv nachvollziehbar ist, dann hat sich jedes Abo gelohnt. Konsistenz ist für mich kein glücklicher Zufall mehr, sondern das Ergebnis eines klaren Prozesses. Und das Beste daran? Ich traue mich endlich wieder, den „Senden“-Button zu drücken, ohne danach in Panik zu verfallen.